Utopie einer Gleichstellung?

Am Dienstag, dem 6. Mai, fand im Rahmen der Vortragsreihe “Spannungsfeld gesellschaftliche Vielfalt” die Veranstaltung zum Thema „Warum Frauen soviel arbeiten und trotzdem so wenig verdienen…“ statt. Die prägnantesten Statements der Vorträge gibt es hier zusammengefasst zu lesen.

Männer waren unter den Besuchern eindeutig in der Unterzahl.

Nach einleitenden Worten von Katharina Scherke (Institut für Soziologie, Uni Graz) und Robert Reithofer (Verein ISOP) sprach Bettina Vollath (Landesrätin für Finanzen, Frauen und Integration) einige Begrüßungsworte zu einem Abend, der „ganz im Zeichen der Frauen stand„.

„Im Land Steiermark haben wir jetzt, um das Tempo zu erhöhen, eine Frauen- und Gleichstellungsstrategie erarbeitet, um nocheinmal der gesamten Landesregierung klar zu machen: das ist ein Querschnittsthema. (…)  Jetzt sind alle Ressourcen des Landes verpflichtet sich einmal einem Gleichstellungsthema im eigenen Ressort zu widmen.“
(Bettina Vollath)

Nach Vollath sorgte einerseits Maryam Mohammadi mit Bildern von zwanzig Frauen in verschiedenen Berufen als auch die Grazer Stadtschreiberin Ivana Sajko mit einem eigens geschriebenen Text (deutsche Lesung von Ninja Reichert) für eine gelungene künstlerische Untermalung des Abends.

„Mir war es wichtig, mit diesem Projekt zu zeigen, dass Frauen viele unterschiedliche Berufe machen können. Es gibt ja keine Unterschiede – und dennoch existiert soviel Diskriminierung hier in Europa. Das war für mich ein großer Schock.“
(Maryam Mohammadi)

„Ich stehe jeden Morgen um sechs Uhr auf, und bevor ich meinen Sohn umarme, (…) verspüre ich ein schlechtes Gewissen wegen jenes Augenblicks, in dem ich ihm werde erklären müssen, dass wir nun das Haus verlassen werden, weil Mama arbeitet.“
(Auszug aus dem Text von Ivana Sajko)

Mag.ª Dr.in Margareta Kreimer (Professorin am Institut für Volkwirtschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz) hielt schließlich den Hauptvortrag des Abends. Sie referierte über den Gender Pay Gap und Segregation und beleuchtete durch Begründungszusammenhänge, warum Frauen soviel arbeiten und so wenig verdienen.

„Frauen arbeiten quasi in den „falschen“ Berufen und Branchen. Nämlich in solchen, in denen der Lohn niedrig ist – das ist der Umstand der geschlechtsspezifischen Segregation am Arbeitsmarkt.“

„Frauen sind primär im Dienstleistungssektor tätig, und Dienstleistungen haben häufig das Problem dass sie sich viel schwerer als Industrie- und Gewerbebereiche tun, adäquate Produktivitätszuwächse zu erwirtschaften, die dann wieder verteilt werden können, sodass höhere Löhne gezahlt werden können.“

„Ein Lösungsansatz in der gesamtgesellschaftlichen Arbeitsteilung (…) ist es, mehr unbezahlte Arbeit in bezahlte Arbeit zu transferieren. Das beinhaltet auch den weiteren Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, und hat den Vorteil, dass Frauen von unbezahlter Arbeit entlastet und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Dennoch ist dies eine begrenzte Lösungsstrategie, denn alle unbezahlte Arbeit lässt sich nicht transferieren. (…) Es bleibt was zu tun im Haushalt.“

„Das Phänomen, dass Frauen soviel arbeiten und so wenig verdienen, ist sehr tief und vielfach in der Gesellschaft verankert. Es ist ein andauerndes, beständiges Phänomen. (…) Fortschritte, wie das Sinken des Gender Pay Gap, sind primär auf Anpassungsleistungen von Frauen zurückzuführen.“

„Wenn wir jetzt eine Utopie einer Gleichstellung haben, in der Männer und Frauen gleich viel verdienen, gleiche Karriere machen – auf welcher Basis tun sie das denn? Bedarf es wirklich weiterhin an Anpassungsleistungen von Frauen in Richtung Männer, müssen Frauen so werden wie Männer? Oder bedarf es nicht einer anderen Lösung?“
(Margareta Kreimer)

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Den ersten Impuls lieferte Mag.ª Christina Lind (stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Steiermark), sie behandelte frauenspezifische Aspekte der Arbeitslosigkeit in der Steiermark. Den zweiten Impuls präsentierte Gertrude Peinhaupt (nowa / zam Stmk.).

„Wir wissen vom Armutsbericht des Landes: Mindestpensionen sind weiblich, und die Armut im Alter ist auch eine weibliche. Hier versuchen wir durch Informationen natürlich entgegenzusteuern. Letztlich bleibt dies aber die Entscheidung der Frau.“
(Christina Lind)

„Frauen haben sich schon sehr angepasst. Jetzt geht es darum, dass sich Strukturen verändern, dass es politische Veränderungen, Veränderungen in der Wirtschaft braucht. Ansonsten ist das Sisyphus-Arbeit, wenn man nicht paralell arbeitet.“
(Gertrude Peinhaupt)

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Zum Abschluss der Veranstaltung diskutierten sämtliche Vortragende mit Katharina Scherke am Podium.

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Nächste Veranstaltung:

17. Juni 2014
Zusammenleben – Zusammenaltern: Kulturwissenschaftliche Überlegungen zu Zeit und Erfahrung
Joanneumsviertel – Auditorium – 18.30 Uhr
Älter werden ist nicht einfach, denn es bringt große Veränderungen mit sich. Thema des Vortrags ist wie schwer den Menschen diese Umstellungen fallen, da sie sich gerade im Alter an Ritualen und Kontinuierlichem festhalten wollen.
Vortrag: Roberta Maierhofer, Zentrum für Interamerikanische Studien
Impulse: Sylvia Groth (Frauengesundheitszentrum), Ingrid Franthal (Frauenservice), Franz Küberl (Caritas)

Um Anmeldung wird gebeten unter: vielfalt@isop.at

 

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