Musik verbindet, Sprache auch

Im Harmonikazentrum in der Grazer Griesgasse findet jeden Monat ein kroatischer Liederabend statt. Wolfram Märzendorfer, der Initiator, erzählt von einem ganz besonderen Sprachkurs und Liedern, die bestimmt im Ohr bleiben.

„Radujte se narodi, kad čujete glas, da se Isus porodi u blaženi čas“ hört man in der Adventszeit aus dem Harmonikazentrum, Männer- und Frauenstimmen werden von einer Gitarre begleitet. Es klingt etwas schräg, aber nach sehr viel Freude und Spaß. Jeden zweiten Montag im Monat trifft man sich zum Liedersingen und Sprachenlernen.

„Ich wohne schon lange in der Griesgasse – habe alle Veränderungen miterlebt – auch den Zuzug von Flüchtlingen aus Bosnien und Kroatien“, sagt Initiator Wolfram Märzendorfer. Er und viele andere sehen, dass in der Griesgasse und am Griesplatz eine facettenreiche Sprachlandschaft entstanden ist: „Man kann grob sagen, dass die Griesgasse nördlich von mir kroatisch und südlich von mir türkisch ist,“ erzählt er.

Wolfram Märzendorfer organisiert die Liederabende.

Das scheint tatsächlich so. Geht man die Griesgasse vom Südtiroler Platz entlang, entdeckt man kroatische Restaurants, Kaffees und Lokale. Bis in etwa auf Höhe des Hotel Weitzer. Der Straßenabschnitt südlich des Hotels ist geprägt von türkischer Kultur.

Wolfram Märzendorfer hatte vor etwa einem Jahr die Idee zu einem „Minisprachkurs“, damit man sich in der Gasse grüßen und im Geschäft Lebensmittel einkaufen kann. Das Ziel des Liederabends ist, dass sich die Teilnehmer mit den Sprachen, die in ihrer unmittelbaren Umgebung gesprochen werden, anfreunden: „Ich wollte weg von dem Gedanken, dass alle Deutsch lernen müssen. Das Verständnis fördert Vertrauen und man kann die Angst vor dem Fremden nehmen.“

Als leidenschaftlicher Gitarrist ist Wolfram Märzendorfer unwillkürlich auf die Lieder gekommen, die Botschaften und im weiteren Sinne auch Vokabeln vermitteln. „Durch die Lieder kann man vor allem eine Beziehung zur Sprache herstellen und man lernt.“ Gesungen werden einfache Lieder mit vielen Textwiederholungen, die gehen richtig ins Ohr, Volkslieder über die Jahreszeiten zum Beispiel oder Liebeslieder.

Der Großteil der Sänger spricht kein Wort Kroatisch, auch Wolfram Märzendorfer selbst nicht. Oft kommen Kroatischklassen oder Teilnehmer von Sprachkursen. Zwischen den Liedern wird kroatischer Small Talk geführt: „Kako ste? Gdje živite? Koliko godine imate?“ Auch einige Kroaten und Kroatinnen sind dabei, die gerne singen. Sie sind begeistert, dass sie ein Stück ihrer Kultur weitergeben können. „Der kulturelle Zusammenhalt soll gefördert werden. Die Intention ist einfach ein anderer Denkansatz als ‚Ausländer müssen Deutsch lernen’. Warum sollen wir nicht von ihnen lernen?“

Die Lieder, die eingeübt werden, werden nach zwei Kriterien ausgewählt – zum einen nach der Einfachheit der Texte, und zum anderen müssen sie kroatische Couleur mitbringen, etwas Kulturelles, Typisches vermitteln. Doch bei „nur“ Kroatisch soll es nicht bleiben meint Wolfram Märzendorfer: „Wir haben jetzt mit Kroatisch begonnen, Türkisch
würd’ ich auch gern machen.“

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