„Migration ist wie ein Blind Date“

Migrantinnen verlassen ihre Heimat aus den verschiedensten Gründen – oft nicht freiwillig. Die iranische Fotografin Maryam Mohammadi porträtiert auf vielen ihrer Bilder die Lebensgeschichten und Schicksale dieser Frauen. Am 28. Jänner gibt sie im Rahmen der Vortragsreihe „Vielfalt als Chance“ einen Einblick in ihr Projekt „Es liegt in Frauenhänden“.

Fotos: Maryam Mohammadi

Für „Es liegt in Frauenhänden“ hat Maryam Mohammadi im Jahr 2011 Teilnehmerinnen von Sprachkursen des Grazer Vereins Danaida gefragt, was sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden. Die „Insel“ markierte für die Immigrantinnen den Aufbruch ins Unbekannte. Die Gegenstände, mit denen die Frauen fotografiert wurden, bilden das Bindeglied zwischen ihren Wurzeln und dem neuen Zuhause Graz.

Maryam Mohammadi ist 2009 aus dem Iran nach Graz gekommen. Im Fokus ihrer Arbeiten stehen oft Frauen, die sich an kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen anpassen müssen. „Als ich vor ein paar Jahren nach Österreich gezogen bin, habe ich jeden Tag etwas Neues entdeckt. Einheimische setzen Migration oft mit einem Urlaub in einem fremden Land gleich“, erläutert Maryam Mohammadi, was viele, die in der Steiermark verwurzelt sind, manchmal vergessen.

Maryam Mohammadi

„Migration ist oft kein planbarer, freiwilliger Akt. Zumeist rückt es in den Hintergrund, dass Migrantinnen und Migranten auf der Flucht vor politischer Verfolgung oder Zwangsverheiratung in Österreich landen.“ Auch der Irrglaube, dass in Europa alles besser sei, ist in vielen Ländern weitverbreitet.

Allerdings ist sie sich auch darüber bewusst, dass Migrantinnen und Migranten oft zu Vorurteilen vonseiten der Einheimischen beitragen: „Viele schotten sich einfach von der Außenwelt ab. Andere sind offen für Neues. Das finde ich gut.“ Ob die Zuwanderungspolitik in Österreich gut oder schlecht ist, will Maryam Mohammadi nicht beurteilen. Sie bemängelt allerdings die lange Zeit der Unsicherheit, die den meisten Migrantinnen und Migranten bevorsteht, bis sie endlich Klarheit über ihre Situation haben.

Auf die Frage, wie sie die Ängste, aber auch Hoffnungen vieler Migrantinnen in Worte fassen würde, fällt ihr ein treffender, wenn auch nicht ganz naheliegender Vergleich ein: „Migration ist wie ein Blind Date. Du triffst auf fremde Menschen und Kulturen und weißt nicht genau, was dich erwartet.“

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