Für gleich viel Arbeit weniger Geld

Mag.ª Dr.in Margareta Kreimer ist Professorin am Institut für Volkwirtschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz. Sie behandelt in ihrem kommenden Vortrag für die nächste Veranstaltung der Vortragsreihe „Spannungsfeld gesellschaftliche Vielfalt“ die Fragen, ob Frauen sich näher an der Armutsgrenze befinden und ob sie sich mehr in der Familie engagieren. Ein Vorab-Gespräch über den Gender Pay Gap, Gehaltsverhandlungen und europäische Gleichstellungspolitik.

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Warum ist die Armutsgefährdungsquote von Frauen höher als die von Männern?

Weil Frauen grundsätzlich weniger verdienen. Das heißt: Frauen nehmen weniger Erwerbsarbeiten wahr und verfügen daher über ein geringeres Einkommen. Auch unterbrechen Frauen häufiger ihre Arbeiten –wenn Frauen Kinder bekommen, beispielsweise- oder sind nur geringfügig angestellt.

Mehr Engagement in der Familie bedeutet weniger Geld und weniger Bildung?

Weniger Bildung nicht unbedingt. So haben wir mittlerweile nicht nur mehr studierende Frauen als Männer, sondern auch mehr Absolventinnen. Es ist nicht so, dass Frauen weniger gebildet sind – zumindest in den jüngeren Kohorten, bei den Älteren sieht es natürlich anders aus. Aber weniger Einkommen – ja.

Regt sich in der jüngeren Generation Widerstand gegen den Gender Pay Gap?

Ich möchte nicht darauf wetten dass jüngere Generationen gleichstellungsmäßig top sind. Es ist immer noch vorhanden, dass man diesen Einkommensunterschied, den es ja gibt, in irgendeiner Form rechtfertigt. Es gibt nach wie vor sehr tief verankerte Begründungsmuster, durch die -auch- Frauen in irgendeiner Form sagen: „Das hat schon irgendwo eine Berechtigung.“.

Frauen schätzen sich bei Gehaltsverhandlungen schlechter ein als Männer. Würden Sie das jetzt auch auf diese tief verankernden Begründungsmuster zurückführen?

Da gibt es verschiedene Thesen worauf man das zurückführen kann. Einerseits materielle Gründe, also dass Frauen eine kürzere Geschichte im Arbeitsmarkt aufweisen können und so weniger vernetzt sind, dass sie es überhaupt weniger gewohnt sind über das Gehalt zu reden. Auch fehlt ihnen das Wissen, was eigentlich ein adäquates Gehalt wäre, es fehlt die Information, wie weit man in einer Gehaltsverhandlung gehen kann.

Andererseits gibt es natürlich diese psychologische Ebene. Dass Frauen vermutlich ein geringeres Anspruchsniveau bei Löhnen haben, schneller zufrieden sind mit etwas. Es gibt mittlerweile viele Studien zu Verhandlungsunterschieden zwischen Frauen und Männern. Ein verwandtes Thema, dass dann auch auftaucht, ist jenes, dass Frauen weniger geeignet für Wettbewerbe wären. Dass Frauen sich dem Wettbewerb nicht aussetzen wollen, Männer hingegen sehr wohl.

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Welches europäische Land weist den geringsten Gender Pay Gap auf?

Wenn man nur auf die Zahlen blickt dann Länder wie Italien, Slowenien, Polen. Es ist jedoch schwierig, aus einer quantitativen Zahl wie dem Einkommensunterschied in Brutto-Stundenlöhnen zwischen Frauen und Männern auf Gleichstellungspolitik zurückzuschließen. Denn Italien beispielsweise hat nur deshalb so ein gutes Ergebnis, weil generell viel weniger Frauen arbeiten.

Das sagt aber nichts über die Gleichstellungsdimension in diesem Land aus. In Schweden, wo praktisch Frauen gleichauf mit Männern arbeiten, wir aber trotzdem eine hohe Segregation des Arbeitsmarktes haben, gibt es immer noch nennenswerte Einkommensunterschiede. Trotzdem würde ich sagen dass die Chancengleichheit für Frauen im Vergleich zu Männern ungleich höher ist als in Italien.

Von einer allgemeinen gleichstellungspolitischen Sichtweise her sind sicherlich die skandinavischen Staaten Vorreiter. Die haben schon sehr früh in den 70er, 80er Jahren dezidiert damit begonnen, Frauen in den Arbeitsmarkt zu holen, und die dementsprechenden Rahmenbedingungen dafür herzustellen. Österreich und Deutschland hingegen holten sich damals Gastarbeiter.

Welche konkreten Lösungsvorschläge zum Gender Pay Gap gibt es?

Es gibt keine eindimensionale Lösung hierfür, sondern Ansatzpunkte auf vielen Ebenen, in vielen Dimensionen. Diskriminierungsfreie Arbeitsbewertung zum Beispiel. Auch die Aufwertung von frauendominierten Arbeitsbereichen durch beispielsweise Höherqualifizierungen kann helfen.

Hinsichtlich der ganzen Fragestellungen wegen Unterbrechungen und Teilzeitarbeit ist es schon schwieriger, eine Lösung zu finden. Ich glaube aber nicht, dass es sinnvoll ist, irgendwelche Hausfrauenlöhne zu bezahlen. Es geht eher darum, dass unbezahlte Arbeit besser zwischen Männer und Frauen verteilt wird. Sodass diese exklusive Betroffenheit von Frauen wegfällt. Und dass natürlich die Quote der Männer in Karenz ansteigt. Da ist noch viel zu tun.

Weiters wäre es auch sinnvoll, wenn Teilzeitarbeit zwischen Frauen und Männern besser verteilt ist. Dass auch Männer aus familiären Gründen Teilzeitarbeit machen, nicht aus Karrieregründen oder Ausbildungsgründen. Und natürlich spielt auch die Sensibilisierung dessen, dass es nicht in Ordnung ist, wenn man für gleich viel Arbeit weniger Geld bekommt, eine große Rolle.

 

Veranstaltungshinweis:

6. Mai 2014
Warum Frauen soviel arbeiten und trotzdem sowenig verdienen …
Joanneumsviertel – Auditorium – 18.30 Uhr
Leben Frauen näher an der Armutsgrenze? Und engagieren sie sich stärker in der Familie? An diesen zwei Beispielen macht der Vortrag fest, worin der Gender Pay Gap besteht und warum er über so lange Zeit bestehen konnte.
Vortrag: Margareta Kreimer, Institut für Volkswirtschaftslehre
Impulse: Christina Lind (AMS Steiermark), Gertrude Peinhaupt (nowa / zam Stmk.)

Um Anmeldung wird gebeten unter: vielfalt@isop.at

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