„A Mensch is a Mensch und bleibt a Mensch“

Unter dem MottoVom Diskriminierungsverbot zu effektiver Gleichheit“ fand am 9. Dezember die letzte Veranstaltung dieses Jahres zur Diskussionsreihe „Spannungsfeld gesellschaftliche Vielfalt“ statt. Ziel dieses Vortrags war, zu beleuchten, wie mit Diskriminierung rechtlich umgegangen wird und ob Rechtssetzung und Rechtsprechung diesbezüglich dem Antidiskriminierungsrecht entsprechen.

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In der Begrüßung verwies Robert Reithofer auf eine OECD-Studie vom 8. Dezember 2014,  der zufolge die soziale Ungleichheit so stark gestiegen ist, dass sie ein Problem für das Wirtschaftswachstum  darstellt. Reithofer unterstrich dadurch die Aktualität von Diskriminierung.

Die steirische Integrationslandesrätin Bettina Vollath machte zu Beginn nochmals auf die „Wie geht’s? Miteinander!“-Kampagne aufmerksam, die von ORF Steiermark, dem Integrationsressort des Landes Steiermark und der Antidiskriminierungsstelle Steiermark durchgeführt wurde.

„Jeder bringt in die Begegnung  mit Menschen vorgearbeitete Bilder mit. Wir können uns dem gar nicht entziehen. Wenn dies aber unser Handeln so beeinflusst, dass wir andere schlecht machen, so stellt das ein Problem dar.“

Bettina Vollath war es wichtig zu betonen:

„Die Veränderung von Einstellungen in uns braucht mehr als ein Gesetz!“

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Christoph Schattleitner begann den interaktiven Beitrag, der von Studierenden der FH JOANNEUM gestaltet wurde, mit den provokanten Worten „Sehr geehrte Diskriminierer und Diskriminierte…“ und gewann so die volle Aufmerksamkeit des Publikums. In der folgenden Diskussion darüber, was denn überhaupt Diskriminierung sei, waren die Meinungen recht unterschiedlich, einzig beim Brennpunkt „Homosexualität“ waren sich alle einig, dass die Tatsache, dass homosexuelle Menschen weder Blut noch Plasma spenden dürfen, diskriminierend sei.

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Im Hauptvortrag verglich Univ.-Prof. Dr. Joseph Marko (Institut für Österreichisches, Europäisches und Vergleichendes Öffentliches Recht, Politikwissenschaft und Verwaltungslehre) den juristischen Umgang mit Diskriminierung in den USA, Kanada und der EU.

„Der ‚Abella‘ Report von 1984 besagt, dass es in Kanada eine systemische Diskriminierung von Frauen, ‚sichtbaren Minderheiten‘, native people und Personen mit Behinderung gibt.“

Weiters ging Dr. Marko auch auf den Begriff der Diskriminierung ein:

„‘To discriminate‘ im Englischen heißt nichts anderes als ‚eine Entscheidung treffen‘!“

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen unterstrich er:

„Es gilt nicht eine Person X oder eine Institution als Verursacher von Diskriminierung, sondern gesellschaftliche Strukturen.“

Folgend betonte Dr. Marko allerdings:

„Es gibt keine Verpflichtung des Staates, Chancengleichheit herzustellen ohne vorhergehende Diskriminierung oder faktische Segregation.“

Abschließend meinte er, dass auch die Rechtswissenschaft keine eindeutigen Lösungen habe:

„Rechtsprechung geht immer auf Einzelfälle ein, es kann daher zu keiner systemischen Reform kommen.“

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Mag. Daniela Grabovac von der Antidiskriminierungsstelle Steiermark lieferte in ihrem Impulsvortrag einige aktuelle Beispiele aus ihrem Berufsalltag.

„Recht hat eine wichtige Funktion. Nicht unbedingt, um Recht zu bekommen, sondern um zu zeigen, dass man Recht hat.“

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Fred Ohenhen (ISOP) sprach ebenfalls von seinen persönlichen Erfahrungen.

„Ich bin seit 1990 in Graz und hatte immer das Gefühl, integriert zu sein.“

Bei seiner Arbeit in Kindergärten seien es vor allem die Eltern, die ein Problem darstellen, dennoch gäbe es auch hier viel Positives:

„Eine Mutter sagte im Kindergarten zu mir: ‚Eigentlich bist du ganz liab‘.“

Seinen Vortrag schloss er mit seinem Ziel.

„Wir wollen rassistischen Ausgrenzungen den Nährboden entziehen!“

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Den Abschluss bildete Dr. Sabine Schulze-Bauer (Landes-Gleichbehandlungsbeauftragte). Sie sprach von den Problemen mit Diskriminierung im Berufsalltag.

„Es geht nicht darum, den Dienstgeber zu klagen, sondern es geht um Lösungen.“

Sie kritisierte auch das Vorgehen bei Stellenausschreibungen:

„Es wird zwar großartig gegendert, aber in der Umsetzung hapert’s dann.“

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Landesrätin Bettina Vollath sprach mit ihren Abschlussworten Vielen aus der Seele:

„A Mensch is a Mensch und bleibt a Mensch.“

Nächste Veranstaltung:

20. Jänner 2015
Vielschichtige, veränderbare Heimaten

Joanneumsviertel – Auditorium – 18.30 Uhr

Wie sehr der Begriff „Heimat“ an eine Region gekoppelt ist und ob in der postmodernen Gesellschaft nicht eher die Rede von „Heimaten“ sein muss, behandelt der letzte Vortrag der Veranstaltungsreihe.

Vortrag: Helmut Konrad, Institut für Geschichte, Allgemeine Zeitgeschichte
Impulse: Wolf Steinhuber (Plattform Bleiberecht), Maryam Mohammadi (Künstlerin), Wolfram Dornik (Museum im Tabor)

Um Anmeldung wird gebeten unter: vielfalt@isop.at

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