50.980 arbeitslose Frauen

Seit 15 Jahren waren nicht mehr so viele Frauen von Arbeitslosigkeit betroffen wie im Jahr 2013 – 50.980 an der Zahl.  Ein Beitrag über frauenspezifische Aspekte der Arbeitslosigkeit in der Steiermark – Zahlen, Erklärungen und Statements von Mag.ª Christina Lind, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Steiermark.

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Frauen in der Steiermark arbeiten vorwiegend im Dienstleistungssektor. Während die Zahl der unselbstständig Beschäftigten Frauen im Handel leicht gestiegen ist, zeigt sich auch ein Anstieg der arbeitslosen Frauen – die Frauenarbeitslosigkeit ist so hoch wie seit 15 Jahren nicht.

Österreichweit gesehen haben Frauen hingegen eine geringere Arbeitslosenquote als Männer. Dies hängt laut Mag.ª Christina Lind, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Steiermark, von unterschiedlichsten Faktoren ab. „Bei Frauen hat man insgesamt eine Erwerbsbeteiligung von 67 Prozent, bei Männern ist die Erwerbsbeteiligung wesentlich höher.“

Auch die Geschlechterverteilung ist nicht in allen Branchen und Wirtschaftssektoren gleich: „Frauen sind eher in Bereichen zu finden, die schlechter entlohnt werden. So zum Beispiel im Handel, im Dienstleistungsbereich oder in der Gastronomie. Wir merken jetzt aber, dass auch in diesen Bereichen die Arbeitslosigkeit steigt und damit auch die Betroffenheit von Frauen.

Weiblich dominiert – die Teilzeitbeschäftigung

Fast jede zweite Frau befindet sich in einer Teilzeitbeschäftigung, viele sind geringfügig beschäftigt. Damit ist Teilzeitarbeit nach wie vor weiblich dominiert, die Teilzeitquote von Frauen seit 2000 mit 45,5% unverändert hoch. Die Steiermark liegt hierbei sogar leicht über dem Österreichschnitt.

Da Frauen oftmals Betreuungspflichten nachkommen müssen, können sie nur Teilzeitbeschäftigungen nachgehen. Dennoch sind für Lind auch Männer beispielsweise für Kinderbetreuung zuständig:  „Wir haben einen gesetzlichen Auftrag und Gleichstellungsziele. Existenzsichernde Erwerbsarbeit ist nicht nur für Männer sondern auch für Frauen wesentlich. Wir gehen nicht davon aus, dass Frauen den Zuverdienst in der Familie einbringen. Wir wollen dass Frauen abgesichert sind.“ Und ist das nicht der Fall, so Lind, bekomme man Ergebnisse wie jetzt präsentiert: im Armutsbericht des Landes kann man laut Lind klar erkennen, dass Mindestpensionen überwiegend Frauen empfangen und dass auch die Altersarmut vorwiegend bei Frauen auftritt.

43,4 % der arbeitslosen Frauen in der Steiermark haben keine höhere Ausbildung als die Pflichtschule. Davon abgesehen geht der Trend, vor allem in der jüngeren Generation, zu höheren Bildungsabschlüssen als bei Männern. Kritisch zu hinterfragen ist jedoch, in welchen Bereichen diese junge Generation ihre Bildungsabschlüsse absolviert und vor allem wie sie ihre Abschlüsse verwertet. „Leider haben wir immer noch eine traditionelle Ausbildungswahl. Frauen sind überwiegend in geisteswissenschaftlichen Bereichen oder auf Fach- und Hochschulen, die in eine soziale oder pädagogische Richtung gehen, unterwegs. Abgesehen davon haben wir einen Arbeitsmarkt, der nicht gleichstellungsorientiert funktioniert.“ Denn selbst wenn Frauen höhere Abschlüsse haben, finden sie sich dann nicht in ausbildungsgerechten Positionen wieder.

(c) AMS

Altbackene Vorwürfe, die nicht stimmen

Zeigt die offizielle Arbeitslosenquote das tatsächliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit? Oft sieht sich das AMS mit dem Vorwurf konfrontiert, dass karenzierte Personen zu Beschäftigten gezählt werden und TeilnehmerInnen an Kursen des AMS als Erwerbstätige behandelt werden. Für Lind ist dieser Vorwurf nicht nur sehr alt, sondern „mittlerweile nicht haltbar. Wenn man sich unsere Monatsdaten oder Bilanzfolder ansieht, dann weisen wir sowohl die Arbeitslosenquote als auch die Quote der SchulungsteilnehmerInnen aus.

Auch die Notstandshilfe führte oftmals zu Kritik am AMS. Dass einige Frauen gar nicht in der Arbeitslosenstatistik erfasst sind, da sie durch die Höhe des Einkommens des Partners keinen Anspruch auf Notstandshilfe haben und deshalb nicht arbeitslos gemeldet sind, stimmt laut Lind keinesfalls: Wenn eine Frau beschäftigt ist und arbeitslos wird, dann hat sie zuerst Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Dies wird unabhängig vom Einkommen des Mannes berechnet. Dazu muss die Frau bei der jeweiligen regionalen Geschäftsstelle einen Antrag stellen, dann wird das Arbeitslosengeld ausbezahlt. Nach diesem Zeitraum wird der Anspruch wieder geprüft. Bei der Notstandshilfe ist es so, dass das Gehalt des Partners miteinbezogen wird. Und da kann es vorkommen, dass das Haushaltseinkommen über dem gesetzlich festgelegten Grenzwert liegt.“ Wenn allerdings ein Notstand vorherrscht, wird Notstandshilfe gewährt; die Frau bleibt dennoch beim AMS vorgemerkt. Weil die Vormerkung als Ersatzzeit gilt, „wenn es dann um die Pensionsansprüche geht.

 

Veranstaltungshinweis:

6. Mai 2014
Warum Frauen soviel arbeiten und trotzdem sowenig verdienen …
Joanneumsviertel – Auditorium – 18.30 Uhr
Leben Frauen näher an der Armutsgrenze? Und engagieren sie sich stärker in der Familie? An diesen zwei Beispielen macht der Vortrag fest, worin der Gender Pay Gap besteht und warum er über so lange Zeit bestehen konnte.
Vortrag: Margareta Kreimer, Institut für Volkswirtschaftslehre
Impulse: Christina Lind (AMS Steiermark), Gertrude Peinhaupt (nowa / zam Stmk.)

Um Anmeldung wird gebeten unter: vielfalt@isop.at

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