„Am Anfang war es auch schwierig von der Öffentlichkeit akzeptiert zu werden.“

Emrah Alabay ist in seiner zweiten Periode beim MigrantInnenbeirat der Stadt Graz, aktuell als Vorsitzender. Wir haben ihn in der Geschäftsstelle getroffen und zum Gespräch über die Probleme des Beirates, deren Lösungen und die Akzeptanz in der Bevölkerung gebeten.

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Thomas Maurer: Seit wann gibt es den MigrantInnenbeirat in Graz und wie hat er sich im Laufe der Zeit verändert?

Emrah Alabay: Von den Anfangstagen weiß ich wenig. Ich war in der vorigen Periode drin, das ist jetzt meine zweite fünfjährige Periode. Ich weiß deswegen auch etwas mehr über den Beirat als andere, die erst seit kurzem dabei sein. Aus Erzählungen kann ich sagen, dass die Anfangstage sehr schwierig waren. Man hatte überhaupt keine konkrete Vorstellung davon, wie alles funktionieren sollte, das Budget war ziemlich knapp, man hat versucht an Geldquellen zu kommen und das hat man mehr oder weniger geschafft. Heute steht der Beirat viel stärker da, als vor 15 Jahren, aber es gibt noch immer Probleme, die wir hoffentlich in Zukunft bewältigen werden.

Wie finanziert sich der MigrantInnenbeirat aktuell?

Der Beirat ist eine Einrichtung der Stadt Graz und ist auch im Landesgesetz verankert. Wir haben ein jährliches Budget und das kommt von der Stadt Graz.

Was waren die größten Probleme zu Beginn  – von denen du ja gesprochen hast – neben den finanziellen?

Am Anfang war es auch schwierig von der Öffentlichkeit akzeptiert zu werden. Auch viele Politiker wollten uns nicht haben. Der MigrantInnenbeirat hat sich aber durchgekämpft, sozusagen.

Was sind die Hauptaufgaben des Beirates?

Der MigrantInnenbeirat wird, von in Graz gemeldeten Nicht-EU-BürgerInnen, zusammen mit den Gemeinderatswahlen gewählt – zuletzt 2013. Wir sind eine beratende Einrichtung, wir sollen die Stadt Graz in Sachen Migration beraten und haben auch sehr starken Kontakt zu den MigrantInnenvereinen. Die sind eigentlich unsere Hauptzielgruppe. Wir arbeiten sehr eng mit diesen Vereinen zusammen und sie werden in verschiedene Projekte eingebunden, beispielsweise in EU-Projekte.

Wieviele Menschen werden durch den MigrantInnenbeirat vertreten?

In Graz gibt es über 20.000 Migranten. Man muss aber sagen, die Wahlbeteiligung war nicht sehr zufriedenstellend. Sie lag bei etwa zehn Prozent. Im Vergleich zur Gemeinderatswahl, mit 50 bis 60 Prozent Wahlbeteiligung ist es aber nicht wenig, würde ich sagen, weil der Wahlkampf den wir führen viel kleiner ist.

Mit welchen Problemen  kämpft man aktuell?

Der Beirat muss sich auch nach Außen präsentieren, wir machen auch Öffentlichkeitsarbeit, wo wir beispielsweise Rassismus als Thema nehmen. Ein Problem, das wir in Zukunft lösen wollen ist beispielsweise, dass die Vereine in Graz mehr am politischen Leben teilnehmen müssen. Das geschieht aktuell einfach zu wenig.

Nach den Problemen zu einem positiveren Thema. Welche Probleme sind bereits gut gelöst worden, welche Themen gibt es, wo der MigrantInnenbeirat bereits sehr gut funktioniert?

Sehr gut vielleicht nicht, aber es gibt Themen, wo der Beirat gut funktioniert. In der letzten Periode haben wir viel mit Arbeit gemacht, Zugang zum Arbeitsmarkt und ähnliches. Da haben wir zum Beispiel Workshops organisiert. Heuer wollen wir uns die Themen Bildung und wieder Arbeitsmarkt vorgenommen.

In Wahrheit beschäftigt ihr euch also hauptsächlich mit Integration. Oder gibt es wirklich Kontakt mit Migranten, die neu nach Graz kommen?

Wir haben zu MigrantInnenorganisationen wie ISOP und ZEBRA viel Kontakt, die machen eigentlich die Basisarbeit. Wir werden diesbezüglich immer zu unserer Meinung gefragt, von den Organisationen, wie auch vom Gemeinderat.

Welche politischen und rechtlichen Mittel hat der MigrantInnenbeirat eigentlich? Hat man tatsächlich ein Mitspracherecht?

Wenn im Gemeinderat ein Entschluss über MigrantInnen gefasst werden soll, dann muss der Beirat zur Meinung gefragt werden. Allerdings kann sich der Gemeinderat dann entschieden wie er will…

Ist der Beirat deiner Meinung nach in der Bevölkerung bekannt und akzeptiert? Gibt es dazu Zahlen?

Also Zahlen gibt es nicht, aber unter MigrantInnen ist der Beirat sehr bekannt, muss ich sagen. Unter Einheimischen eher nicht so. Das ist auch eines unserer Ziele, dass wir uns in dieser Periode den Einheimischen bekannter machen, durch mehr Medienarbeit zum Beispiel.

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Wie sieht so dein Arbeitsalltag als Beirat aus?

Die gewählten Beiräte sind alle ehrenamtlich und arbeiten in der Freizeit für den Beirat. Aber wir haben einen sehr fleißigen Geschäftsführer und eine Sekretärin. Unsere Sitzungen finden einmal im Monat statt und sind hauptsächlich abends.

Wie viel Zeit investierst du in diese ehrenamtliche Tätigkeit?

So zwischen acht und zehn Stunden im Monat.

Wie setzt sich der aktuelle MigrantInnenbeirat eigentlich zusammen?

Wir sind neun Personen und haben Arbeiter und Arbeiterinnen, Studenten und Akademiker. Das ändert sich aber natürlich immer. Diesmal sind vier Kurden, zwei Kroaten, eine Dame aus Bosnien, eine Dame aus Afrika und ein Herr aus Afghanistan dabei.

Wann hast du beschlossen, dass du dich im MigrantInnenbeirat engagieren willst?

Ich bin über die kurdische Liste vor sechs Jahren in den Beirat gekommen. Damals haben wir uns gedacht, der MigrantInnenbeirat macht sehr wenig für die Jugend und wir wollten für die jungen Menschen auch etwas machen… aber mittlerweile sind wir auch  nicht mehr die Jüngsten.

Vielen Dank für das Gespräch.

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